Junge Frauen

Jugend & befristete Beschäftigung

Junge Frauen

Jugend & befristete Beschäftigung

Eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Gerade junge Beschäftigte haben ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko und seltener Kinder
Junge Beschäftigte sind trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht. Ferenc Cegledi, Shutterstock.com Junge Beschäftigte sind trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht.

Fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte unter 35 Jahren hat nur einen befristeten Arbeitsvertrag, mehr als 60 Prozent aller befristet Beschäftigten in Deutschland sind jünger als 35. (Quelle: Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 08.12.2016)

Damit sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase auch besonders stark von den Nachteilen dieser atypischen Beschäftigungsform betroffen. Das zeigt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Befristet Beschäftigte haben deutlich niedrigere Nettoeinkommen als gleich alte Arbeitnehmer mit unbegrenztem Vertrag. Dementsprechend sind sie trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht. Junge Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen sind zudem seltener verheiratet und haben deutlich weniger Kinder als unbefristet Beschäftigte.

„Der offenkundige Nachteil einer befristeten gegenüber einer unbefristeten Beschäftigung besteht darin, dass die Betroffenen mit erheblicher Planungsunsicherheit konfrontiert sind, die sich auch lebensweltlich auswirkt“, beschreibt WSI-Sozialexperte Dr. Eric Seils die Situation junger Menschen mit befristeter Beschäftigung.

„Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Und Kinder kosten Geld, daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben“, so der Wissenschaftler.

Für seine Analyse hat Seils die aktuellsten vorliegenden Daten aus dem Mikrozensus 2015 ausgewertet. Die Kernergebnisse im Einzelnen:

  • Junge am stärksten betroffen

19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Dabei sind Auszubildende, Praktikanten oder Umschüler bereits herausgerechnet. Klammert man auch die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren aus, in der es viele befristete Ferienjobs geben dürfte, liegt die Befristungsquote der 20 bis 34-Jährigen immer noch bei 18,4 Prozent. Sie ist etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 Prozent, siehe auch Grafik 1 in der HBS-Studie).

Der Blick auf die Qualifikationsprofile junger befristet Beschäftigter offenbart, dass Personen ohne Berufsausbildung und Universitätsabsolventen gleichermaßen häufiger befristet beschäftigt sind als Absolventen einer dualen Berufsausbildung oder mit Fachhochschulabschluss. Allerdings führen die Berufswege beider Gruppen später oft in unterschiedliche Richtungen: Uni-Absolventen wechseln im Zeitverlauf häufiger in feste Anstellungen, für gering Qualifizierte stellt der befristete Job oft eine Sackgasse dar.

Schließlich sind Arbeitnehmer mit ausländischer Staatsbürgerschaft deutlich häufiger befristet beschäftigt als deutsche Staatsbürger. In der Altersgruppe von 15 bis 35 liegt die Quote bei 24,7 Prozent gegenüber 18,7 Prozent. Auch unter älteren Beschäftigten bleibt ein spürbarer Abstand (siehe Grafik 2).

  • Große Nachteile beim Verdienst

Mehr als ein Viertel (26,2 Prozent) der befristet Beschäftigten unter 35 verdienen auch mit einer Vollzeitstelle weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Ihr Brutto-Stundenverdienst liegt damit auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns. Unter den Jüngeren mit unbefristetem Vertrag müssen sich 9,3 Prozent mit so wenig Geld zufrieden geben.

Der erhebliche Verdienstabstand zwischen befristet und dauerhaft Beschäftigten zeigt sich auch, wenn man Beschäftigte aller Altersgruppen vergleicht, allerdings sind dann die jeweiligen Anteile geringer: 22,8 Prozent der befristet und 6,8 Prozent der unbefristet Beschäftigten verdienen weniger als 1.100 Euro netto (siehe Grafik 4).

  • Mit Befristung deutlich häufiger „working poor“

Befristet Beschäftigte sind wesentlich häufiger armutsgefährdet als Unbefristete. Das heißt nach gängiger wissenschaftlicher Definition, sie leben in einem Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung hat. 274.000 oder 15,5 Prozent der befristet Beschäftigten zwischen 20 und 34 Jahren zählen so zu den „working poor“. Unter den Altersgenossen mit dauerhaftem Vertrag sind es lediglich 7,5 Prozent.

  • Seltener verheiratet, weniger Kinder

27,7 Prozent unter den 20- bis 34-Jährigen mit dauerhaftem Arbeitsvertrag sind verheiratet. Bei den befristet Beschäftigten im gleichen Alter leben nur 17,4 Prozent in einer Ehe. Sehr deutlich ist auch der Unterschied bei der Anzahl der Kinder: In 100 Haushalten von befristet Beschäftigten leben nach Seils´ Analyse durchschnittlich 29 Kinder. In 100 Haushalten von Altersgenossen mit festem Vertrag gibt es dagegen im Mittel 42 Kinder.

Weitere Informationen zum Thema findet ihr auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung.