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Wie lange reicht das Vermögen bei Einkommensausfall?

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Wie lange reicht das Vermögen bei Einkommensausfall?

WSI-Verteilungsbericht: Ein Drittel der Haushalte hat maximal Rücklagen für wenige Monate.
Geldscheine Münzen Andreas Hermsdorf, pixelio.de Die Vermögen und Haushaltseinkommen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt.

Zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahrzehnten – so lange können Haushalte sich mit ihrem Vermögen über Wasser halten. Das zeigt der aktuelle WSI-Verteilungsbericht. (Quelle: Pressemeldung der Hans-Böckler-Stiftung vom 14.11.2017)

Vermögen verleiht Haushalten unter anderem die Autonomie, zur Not ohne laufende Einkommen ihren Konsum bestreiten zu können. Die Möglichkeiten dazu sind höchst unterschiedlich verteilt:

  • Während rund ein Drittel der Haushalte in Deutschland maximal Rücklagen für einige Wochen oder wenige Monate hat,
  • könnten Haushalte am oberen Ende der Skala mindestens zwei Jahrzehnte durchhalten. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Haushalte mit höherem Vermögen.

Das zeigt der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, der am 14.11.2017 auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde.

Ostdeutsche Haushalte würden mit ihrem Vermögen nur halb so weit kommen wie westdeutsche. Ältere haben zwar im Mittel mehr Polster, aber auch bei ihnen ist jeder fünfte Haushalt unbedingt aufs laufende Einkommen angewiesen. Alleinerziehende haben besonders geringe Möglichkeiten, Einkommensausfälle über Vermögen auszugleichen.

Die Vermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zur Mitte der 2000er Jahre beträgt der Gini-Koeffizient nach den neusten verfügbaren Daten des Soziooekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2012 immer noch 0,731 – bezogen auf Haushaltsvermögen pro Kopf, bezogen auf Einzelpersonen ist er noch höher.

Zum Vergleich: Würde nur einem Menschen das gesamte Privatvermögen in Deutschland gehören, läge der Wert des bekanntesten Verteilungsmaßes bei 1. Damit ist die Ungleichheit bei den Vermögen deutlich größer als bei den verfügbaren Haushalts-Einkommen (Gini-Wert von 0,29) – und höher als in fast allen anderen Euro-Ländern (siehe auch Abbildung 1 im Anhang).

Welche Konsequenzen die Vermögenskonzentration für die wirtschaftliche Freiheit von Menschen hat, untersucht der neue WSI-Verteilungsbericht. Er steht auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung mit zusätzlichen Grafiken und Hintergrundinfos als PDF bereit.