Vereinbarkeit

71 Prozent können Job und Pflege schlecht vereinbaren

Broschüre

71 Prozent können Job und Pflege schlecht vereinbaren

Die Ergebnisse der DGB-Index Sonderauswertung "Berufstätige mit Pflegeverantwortung".
Frau müde erschöpft Nachtschicht Nachtarbeit Überstunden Pause Gorodenkoff, Bild-ID #190345455, Fotolia.com Zusätzliche Auszeiten und finanzielle Unterstützung würden pflegende Angehörige entlasten.

In Deutschland sind 3,3 Millionen Menschen pflegebedürftig, etwa zwei Drittel von ihnen werden zu Hause versorgt. Besonders herausfordernd ist es, wenn die Pflege von berufstätigen Angehörigen übernommen wird.  (Quelle: DGB-Meldung vom 06.02.2018)

In der bundesweit repräsentativen Beschäftigtenbefragung zum DGB-Index Gute Arbeit 2017 wurden Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Job und Pflege befragt.

Die Ergebnisse der DGB-Index Sonderauswertung in Kurzfassung:

  • Jede/r elfte Beschäftigte trägt neben seiner Berufstätigkeit Verantwortung für eine oder mehrere pflegebedürftige Personen.
  • Frauen und ältere Beschäftigte übernehmen häufiger Pflegeverantwortung.
  • Im Durchschnitt werden 13,3 Stunden pro Woche für die Pflege aufgewendet.
  • 71 Prozent der Betroffenen berichten von zeitlichen Vereinbarkeitsproblemen. Bei 29 Prozent ist dies (sehr) häufig der Fall.
  • Größere zeitliche Flexibilität und finanzielle Entlastung würde die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessern.

Zeitlicher Aufwand für die Pflege
Die Befragten mit Pflegeverantwortung gaben an, dass sie pro Woche im Durchschnitt 13,3 Stunden für die Pflege aufwenden müssen. Frauen leisten im Schnitt 15 Stunden für die Pflege, Männer etwa 12 Stunden.

  • 25 Prozent der Befragten müssen weniger als fünf Wochenstunden aufwenden
    (dies gaben 37 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen an).
  • Weitere 25 Prozent müssen fünf bis unter zehn Wochenstunden investieren
    (von allen befragten Frauen gaben dies 33 Prozent an).
  • 20 Prozent wenden sogar 20 Wochenstunden und mehr auf
    (die Befragten mit diesem Zeitaufwand waren ebenfalls mehrheitlich weiblich).

Probleme mit der Vereinbarkeit
Die Pflege von Angehörigen stellt Berufstätige vor besondere Herausforderungen. Besonders schwierig ist es, Arbeit und Pflegetätigkeiten zeitlich unter einen Hut zu bringen.

Von den Beschäftigten mit Pflegeverantwortung geben 71 Prozent an, dass sie zeitliche Probleme mit der Vereinbarkeit haben:

  • Für 16 Prozent ist dies sehr häufig der Fall,
  • für 13 Prozent oft,
  • für 42 Prozent selten.

Besonders schwierig stellt sich die Vereinbarkeitssituation für vollzeitbeschäftigte Frauen dar. Hier geben 78 Prozent an, Schwierigkeiten zu haben:

  • Für 25 Prozent ist dies sehr häufig der Fall,
  • für 13 Prozent oft,
  • für 40 Prozent selten.

Die Werte bei den teilzeitbeschäftigten Frauen liegen deutlich darunter:

  • Hier haben 14 Prozent sehr häufig Vereinbarkeitsprobleme,
  • 14 Prozent oft,
  • 41 Prozent selten.

Ansatzpunkte für eine bessere Vereinbarkeit
Die Berufstätigen mit Pflegeverantwortung wurden danach gefragt, inwiefern zusätzliche zeitliche und finanzielle Ressourcen dazu beitragen können, die Vereinbarkeitssituation zu verbessern.

Dabei ging es um Unterstützungsangebote des Arbeitgebers, die über die gesetzlichen Ansprüche aus dem Pflegezeit- und dem Familienpflegezeitgesetz hinausgehen.

  • Mehr zeitliche Flexibilität
    stellt eine wichtige Unterstützung für die Bewältigung der Pflegesituation dar. Es berichten jedoch lediglich fünf Prozent der Befragten davon, dass sie in ihrem Betrieb zusätzliche Auszeiten für die Pflege bekommen.

Für 61 Prozent wäre ein solches Angebot hilfreich, um Arbeit und Privatleben besser vereinbaren zu können. Frauen äußern diesen Wunsch etwas häufiger (64 Prozent) als Männer (57 Prozent).

  • Finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber
    im Falle der besonderen Belastung durch zu pflegende Angehörige ist der absolute Ausnahmefall. Nur ein Prozent der Beschäftigten mit Pflegeverantwortung berichten von einer solchen betrieblichen Unterstützung.

Für 61 Prozent wäre eine solche Unterstützung ein wichtiger Faktor für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Damit besitzt auch die finanzielle Lage für die Bewältigung einer Pflegesituation eine hohe Bedeutung. 

Die DGB-Index Sonderauswertung "Berufstätige mit Pflegeverantwortung" gibt es auf der Website des DGB zum Download (PDF, 2 MB).