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Betriebsrenten: Große Lücken bei den Kleinen

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Betriebsrenten: Große Lücken bei den Kleinen

Besonders kleine und mittlere Unternehmen haben Nachholbedarf.
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Die betriebliche Altersversorgung soll eine Lücke füllen: Sie soll zur Sicherung des Lebensstandards im Alter beitragen, weil die gesetzliche Rente allein dazu nicht mehr ausreicht. Doch Betriebsrenten können diesen sozialpolitischen Auftrag derzeit nicht voll erfüllen, wie eine Auswertung von Helge Baumann und Florian Blank zeigt. (Quelle: Böckler-Impuls, Ausgabe 14/2016)

Die Wissenschaftler haben anhand von Daten der WSI-Betriebsrätebefragung 2015 untersucht, wie verbreitet betriebliche Altersversorgung in mitbestimmten Betrieben ist.

Den WSI-Daten zufolge bieten zwar 78 Prozent der befragten Betriebe eine Altersversorgung an. Aber nur 55 Prozent der dort Beschäftigten verfügen tatsächlich über eine Betriebsrente. Hinzu kommt, dass die Beschäftigten keineswegs alle gleich gut abgesichert sind, wie frühere Analysen gezeigt haben.

Besonders bei kleinen und mittleren Firmen tun sich große Lücken auf:

  • In Betrieben mit 50 bis 99 Beschäftigten haben nur rund 40 Prozent der Mitarbeiter eine Betriebsrente.
  • Mit steigender Betriebsgröße nimmt der Anteil der Nutzer zu – in Betrieben mit mindestens 2.000 Mitarbeitern sind es rund 64 Prozent.

Auch in der Branchenbetrachtung zeigt sich, dass die betriebliche Altersversorgung nicht flächendeckend verbreitet ist:

  • In der Branche Öffentliche Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit haben rund 64 Prozent der Beschäftigten eine Betriebsrente.
  • Gering ist dagegen der Anteil bei Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe mit knapp 39 Prozent.

Ein Vergleich zwischen den Landesteilen macht deutlich:

  • In den westlichen Bundesländern wird eine betriebliche Altersversorgung in gut 79 Prozent der Betriebe angeboten.
  • In den östlichen sind es 70 Prozent.

Gemessen am Anteil der einbezogenen Beschäftigten liegen allerdings:

  • die ostdeutschen Betriebe mit 57 Prozent
  • vor den westdeutschen mit 54 Prozent.

Betriebsrente nicht mehr klassische Arbeitgeberleistung

Die neue Aufgabe der betrieblichen Altersversorgung im gesamten Sicherungssystem hat auch zu einer Verschiebung in der Frage geführt, wer die Kosten trägt. Betriebsrenten sind keine „klassische Arbeitgeberleistung“ mehr, wie die Daten der WSI-Betriebsrätebefragung zeigen.

In den meisten Fällen teilen sich Arbeitgeber und Beschäftigte die Finanzierung:

  • In 75 Prozent der Betriebe sind beide an der Finanzierung beteiligt,
  • in 15 Prozent zahlt ausschließlich der Arbeitgeber ein,
  • in 10 Prozent allein die Arbeitnehmer.

Auch hier gibt es deutliche Unterschiede nach Betriebsgröße:

  • In 22 Prozent der Betriebe mit mindestens 2.000 Beschäftigten übernimmt der Arbeitgeber die gesamte Finanzierung,
  • das gilt nur für rund 14 Prozent der Betriebe mit 50 bis 99 Beschäftigten.

Die Analyse des WSI zeigt, dass es auch darauf ankommt, ob ein Unternehmen nach Tarif zahlt oder nicht:

  • Etwa 83 Prozent der Betriebe mit Branchentarifvertrag bieten eine Alterssicherung an,
  • Betriebe mit Firmen- oder Haustarifvertrag kommen auf 77 Prozent.
  • Unter den Betrieben, die nicht tarifgebunden sind, liegt der Anteil nur bei 71 Prozent.

In den tarifgebundenen Firmen fällt außerdem der Anteil der einbezogenen Beschäftigten deutlich höher aus.

Mehr Tarifbindung bringt mehr Menschen in die betriebliche Rente

Eine stärkere Tarifbindung könnte dazu beitragen, mehr Menschen einen Zugang zur betrieblichen ­Altersversorgung zu ermöglichen, erklären Baumann und Blank. Außerdem würde die betriebliche Altersversorgung durch tarifliche Arbeitgeberzuschüsse attraktiver.

Die Wissenschaftler halten eine Reform der betrieblichen Altersversorgung für sinnvoll – warnen aber gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen. Selbst wenn künftig mehr Menschen in den Genuss einer Betriebsrente kommen sollten, ließen sich damit die Probleme des Rentensystems nicht lösen.

Vielmehr müsse auch die gesetzliche Rente als zentrale Säule der Alterssicherung gestärkt werden, so die Forscher.

Diese Meldung mit zugehörigen Grafiken und Hintergrundinfos gibt es auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung.