Feminismus heute

Die Gelbe Hand: Feminismus und Antirassismus gehören zusammen

Feminismus

Die Gelbe Hand: Feminismus und Antirassismus gehören zusammen

Ein Bericht zur Jahrestagung 2018 beim gewerkschaftlichen Verein gegen Diskriminierung
Klare Ansage schon im Logo der Gelben Hand Die Gelbe Hand e.V., www.gelbehand.de Klare Ansage schon im Logo der Gelben Hand

Ob Silvester in Köln oder der Mord an Mia in Kandel: Die Opfer frauenfeindlicher Gewalttaten werden immer dann von rechten Gruppierungen instrumentalisiert, wenn es in ihr rassistisches Weltbild passt. Gleichzeitig werden aus der gleichen Richtung die Rechte von Frauen wie das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper angezweifelt.

Mit diesem Spannungsfeld beschäftigte sich dieses Jahr die Jahrestagung des gewerkschaftlichen Gelbe-Hand-Vereins unter dem Titel „Frauen und Rechtsextremismus – ein Widerspruch? Feminismus und Antirassismus zusammen gedacht.“

Rund 70 aktive Fördermitglieder, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus dem ganzen Bundesgebiet kamen am 8. und 9. Juni 2018 in der IG BAU-Bildungsstätte in Steinbach zusammen, um sich über die antifeministischen Entwicklungen zu informieren und selbst Strategien und Lösungsansätze zu erarbeiten.

„Wir müssen die Widersprüche zwischen einem demokratischen und einem rechten Gesellschaftsmodell deutlich aufzeigen. Dafür Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu bilden und zu schulen, ist das Ziel dieser Tagung“, erklärte der Vorsitzende der Gelben Hand, Giovanni Pollice, bei der Eröffnung.

Rassismus und Antifeminismus als Bindeglied

Im Anschluss erörtere der Soziologe und Publizist Andreas Kemper anschaulich die antifeministische Argumentation der AfD, in deren Mittelpunkt die Idee der „Familie als Keimzelle der Nation“ steht.

In der AfD vereinen sich laut Kemper drei ideologische Strömungen:

  • der Neoliberalismus
  • der völkische Nationalismus
  • der christliche Fundamentalismus

Rassismus und Antifeminismus seien wichtige Bindeglieder, um die unterschiedlichen, mitunter zerstrittenen Spektren zusammenzuhalten.

„Die AfD vertritt offensiv die Ideologie der Ungleichwertigkeit verschiedener Menschen, ob Geschlecht, Klasse oder Herkunft“, konstatierte Kemper.

Im Hintergrund wirken starke Netzwerke

Wer sich hinter dem christlich-fundamentalistischen Flügel der AfD verbirgt und welche Gruppen, Netzwerke und Initiativen den antifeministischen und rassistischen Diskurs in Deutschland vorantreiben, erklärte anschließend in ihrem Vortrag die Fachreferentin Tanja Gäbelein.

Gäbelein erläuterte dazu den Zusammenhang zwischen Antifeminismus und Rassismus bei rechten Gruppen:

  • von der christlich-fundamentalen „Zivilen Koalition“ der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch, die als Abtreibungsgegner den „Marsch für das Leben“ initiieren
  • über die "Initiative Familienschutz", die sich gegen eine aufgeklärte Sexualpädagogik und Gender-Mainstreaming wendet
  • bis zur Kampagne "120 Dezibel", in der junge rechte Aktivistinnen den Schutz der „weißen“ Frau fordern.

„Den Rechten geht es nicht um Frauenrechte, das Thema der Frauenmärsche ist die Asyl-Politik“, betont Gäbelein.

Es gäbe in Deutschland jährlich 150 Frauenmorde, die zumeist von Deutschen begangen würden, darüber werde aber nie geredet.

Gewerkschaftliche Antworten auf diese Entwicklungen, Details zu den Barcamps der Jahrestagung 2018, weiterführende Infos und Fotos zur Veranstaltung findet ihr im vollständigen Bericht zur Jahrestagung 2018 der Gelben Hand auf der Website des ver.di-Bereichs Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.