Für junge Beschäftigte

Von nüscht kommt nüscht!

Junge Beschäftigte

Von nüscht kommt nüscht!

Warum Mitbestimmung gerade für Frauen so wichtig ist: Ein Gastbeitrag von Franziska Foullong.
Junge Beschäftigte beim Streik Moritz Brauckmüller, ver.di Junge Beschäftigte beim Streik

Franziska Foullong aus dem ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg erklärt im Themenmonat "Solidarität", warum Mitbestimmung gerade für Frauen so wichtig ist.

Wenn sie es nicht tun, können die Arbeitgeber dieser Welt alleine entscheiden, wie viel Geld wir verdienen, wie viele Urlaubstage sie uns geben wollen, wie lange wir jeden Tag arbeiten und wann am Tag, Abend oder in der Nacht wir diese Arbeitszeit erbringen müssen. Ob wir uns einen Urlaub leisten können oder genug für eine Familienplanung vorhanden ist. Indirekt entscheiden sie sogar darüber, wo wir wohnen. Denn mit wenig Geld ist klar, dass Wohnungen in bestimmten Wohngegenden oder gar in ganzen Städten nicht bezahlbar sind. Die gesetzlichen Regelungen reichen hier noch lange nicht aus.

Und was hat das mit mir zu tun?

Gerade junge Frauen müssen in unserer Gesellschaft immer noch viele Abhängigkeiten und Ungerechtigkeiten erleben. Wir verdienen trotz gleicher Qualifikation immer noch weniger als Männer. Die meisten Führungspositionen und Aufsichtsratssitze sind von Männern besetzt, die auch gerne Männer wieder nachholen. Wir machen in der Regel den Großteil der Haushalts- und Sorgearbeit. Wir sind stärker von Armut bedroht. Wir dürfen nicht frei über unseren Körper entscheiden, sobald ein Kind drinsteckt, ist unser Körper Allgemeingut der Gesellschaft.

Unsere Ausgangssituation ist also nicht gerade ideal!

Ein wichtiger Teil für mehr Gerechtigkeit und Unabhängigkeit ist die Mitbestimmung im Arbeitsleben, denn hier verbringen wir – let’s face it – den größten Teil unseres Alltags und unseres Lebens. Daher ist es so unglaublich wichtig, Betriebsräte zu gründen und seine Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen mit dem Arbeitgeber zu regeln. Und wenn wir Frauen nicht aufpassen, machen das die männlichen Gewerkschafter für uns mit.

Nur wenn wir viele sind, werden wir gehört!

Das fängt bei der Besetzung von Betriebsratsmandaten an, geht über das ehrenamtliche Engagement in Gewerkschaften bis hin zu Aufsichtsratsmandaten. Im Arbeitsleben gibt es sehr viele Möglichkeiten der Mitbestimmung. Gewerkschaftsmitglieder haben qua Gesetz den alleinigen Auftrag, Tarifverträge zu schließen. Der Rahmen für Arbeitsbedingungen ist in Tarifverträgen geregelt: Entgelt, Arbeitszeit, Urlaubstage, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Zuschläge, die Ausbildungsvergütung (und vieles mehr, aber je nach Branche unterschiedlich und absolut rahmensprengend für diesen Gastbeitrag). Dieses Grundgerüst ist elementar und existenzsichernd für Beschäftigte.

Wer hier mitreden will, muss Gewerkschaftsmitglied sein. Junge Frauen sind im gewerkschaftlichen Engagement nicht repräsentativ vertreten im Vergleich zu ihrem Anteil in der Arbeitswelt. Das hat zur Folge, dass andere über ihre so wichtigen grundlegenden Arbeitsbedingungen entscheiden. Das Prinzip der Solidarität unter den Gewerkschaftsmitgliedern greift zwar vielen Diskriminierungen vor, aber sie sind eben nicht unvermeidbar. Deshalb brauchen wir mehr junge Frauen, die sich in die Gewerkschaftsarbeit einbringen und ihre Vorstellungen von einem guten Arbeitsplatz durchsetzen. Nur wenn wir viele sind, nur wenn wir laut sind, werden wir gehört!

Betriebsräte haben zur Aufgabe, die Einhaltung der gesetzlichen sowie der tarifvertraglichen Regelungen zu überwachen. Auch hier gilt: In der Regel haben junge Frauen ein besseres Auge für die Aspekte, die junge Frauen betreffen. Oft dominieren Männer die Ämter in Betriebsratsgremien, obwohl es ein Minderheitengeschlechtsquorum gibt. Trotzdem findet man in vielen frauendominierten Berufen männliche Betriebsratsvorsitzende.

Mehr Frauen auf allen Ebenen der Mitbestimmung!

Oft als Männer-Sauna-Club verschrien, sind Aufsichtsräte für die Überprüfung der Geschäfte des Vorstands zuständig und ein wichtiges Instrument der Mitbestimmung für Beschäftigte. Für Aufsichtsräte gibt es seit Längerem Diskussionen in der Politik über die Einführung einer Frauenquote – noch nicht realisiert, aber dringend notwendig!

Vor allem wegen der Informationspflicht über wichtige unternehmerische Entscheidungen und die Geschäftsstrategie des Vorstands ist der Aufsichtsrat wichtig. Unternehmerische Entscheidungen werden zwar immer noch von der Arbeitgeber- bzw. Kapitalseite einseitig getroffen, aber die Auswirkungen für die Beschäftigten können immens sein und durch den Aufsichtsrat manchmal schon eindämmbar. Noch wichtiger wäre allerdings eine Frauenquote für die Vorstände der Unternehmen: Hier werden die wichtigen Entscheidungen getroffen und hier braucht es dringend mehr Frauen!

Kurzum: Junge Frauen müssen sich auf allen Ebenen der Mitbestimmung einbringen. Denn wie es in Berlin so schön heißt: Von nüscht kommt nüscht!

Franziska Fullong ist Gewerkschaftssekretärin bei ver.di in Berlin-Brandenburg, berät Betriebsräte und leitet Organizingprojekte zur Erreichung der Tarifbindung. Sie sitzt im Aufsichtsrat bei Saint Gobain.


Also, Frauen: Setzt euch ein für eure Rechte!

Gestaltet mit und sorgt dadurch selbst für mehr Gleichstellung: als ver.di-Mitglied und damit als Teil einer großen, solidarischen Gemeinschaft!

Deswegen: Mitmachen, mitreden, mitbestimmen – in eurem eigenen Interesse!


Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Jetzt aber los – gemeinsam für gute Arbeit und gutes Geld!


Ich will mehr Infos zu ver.di!

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