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Minijobs: Prekär, ungesichert, destruktiv

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Minijobs: Prekär, ungesichert, destruktiv

Unsere Infosammlung mit zahlreichen Studien zu den negativen Auswirkungen von Minijobs
Minijob Putzkraft Frau Putzfrau Reinigung prekäre Arbeit Mindestlohn AndreyPopov, depositphotos.com Minijobs sind meistens prekär und ungesichert.

SPD, Grüne und FDP wollen in einem gemeinsamen Regierungsbündnis Minijobs erleichtern. Die Minijob-Grenze soll auf 520 Euro steigen und an den Mindestlohn gekoppelt sein. Wir sehen das äußerst kritisch und haben eine Aktion gegen die Ausweitung von Minijobs gestartet.

Mit den geplanten Reformen verfehlt die Ampel-Koalition ihr erklärtes Ziel, die Verdrängung von regulären Arbeitsverhältnissen durch Minijobs sowie die Teilzeitfalle insbesondere für Frauen zu verhindern.

Maximilian Blömer, Forscher am ifo Institut

Wenn der Mindestlohn angehoben wird, geht auch die Minijob-Grenze hoch. Damit wollen die drei Ampel-Parteien Hürden abbauen, die bisher eine Aufnahme versicherungspflichtiger Beschäftigung erschweren.

Das widerspricht sich allerdings: Minijobs sind nicht sozialversicherungspflichtig, sondern prekär und ungesichert. Häufig bedeuten sie Arbeit zu Niedriglöhnen.

Aus Minijobs resultieren außerdem keine Ansprüche auf Leistungen aus der Arbeitslosen-, Kranken- oder Pflegeversicherung – und auch nicht auf Kurzarbeitergeld.

Neue Berechnungen des ifo Instituts zeigen, dass die von der Koalition geplanten Reformen bei Mini-, Midijobs und der Einkommensteuer die Teilzeitfalle verschärfen. Hiervon sind vor allem Frauen als Zweitverdienerinnen betroffen:

Die ver.di-Bundeszentrale bezeichnete in ihrer Pressemeldung das Ampel-Vorhaben zur Anhebung der Minijob-Grenze als sozialpolitischen Fehler:


(Keine) Minijobs in Zeiten von Corona

Im Krisenjahr 2020 ist die Erwerbslosigkeit in Deutschland deutlich stärker angestiegen als im EU-Durchschnitt. Eine Ursache ist der starke Verlust im Bereich der Teilzeitbeschäftigung. Diese ist in Deutschland so stark eingebrochen, wie in keinem anderen Land. Der Grund hierfür war der massenhafte Wegfall der Minijobs im Zuge der Pandemie. Ihre Zahl ist 2020 um 600.000 gesunken.

Solche unsicheren geringfügigen Arbeitsverhältnisse leistet sich kein anderes EU-Land, urteilt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB):

Geringe Stabilität und mangelnde soziale Sicherheit sind keine Schönheitsfehler, sondern integraler Bestandteil des Konzepts Minijob.

Eric Seils, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI)

Wie problematisch die bei Minijobs fehlenden Leistungsansprüche sind, hat sich in der Coronakrise einmal mehr gezeigt. Hunderttausende verloren ihren Minijob, vor allem in Branchen wie Gastronomie und Handel. Diese Menschen konnten nicht über Kurzarbeit abgesichert werden und hatten keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Mehr dazu im Böckler-Impuls 05/2022:

Zu Minijobs in Zeiten von Corona bietet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) detaillierte Daten für alle kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland:


Minijobs bremsen die Gleichstellung aus

Laut einem WSI-Bericht zum Frauentag 2022 arbeiten Frauen aktuell viermal so häufig in Teilzeit wie Männer (46 Prozent Frauen gegenüber 11 Prozent Männern in Teilzeit, Stand 2019), sehr oft, um Familie und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen. Von den Beschäftigten, die als einziges Arbeitsverhältnis nur einen Minijob haben, sind rund 60 Prozent weiblich.

Dieses Ungleichgewicht trägt laut WSI u. a. wegen geringerer Karrieremöglichkeiten wesentlich dazu bei, dass der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen knapp 18,3 Prozent unter dem von Männern liegt.

Selbst gesetzlich verbriefte Rechte (wie das auf bezahlten Urlaub) werden den Minijob-Beschäftigten oft vorenthalten. Zudem werden sie weitaus seltener Mitglied einer Gewerkschaft. Und anders als oft behauptet gelingt der Übergang aus dem Minijob in reguläre Arbeit nur selten.


Minijobs verdrängen reguläre Beschäftigung

Aktuellen Studien zufolge verdrängen Minijobs ganz massiv reguläre, versicherungspflichtige Beschäftigung: 

Auch wenn SPD, Grüne und FDP glauben, das verhindern zu können: Setzen sie ihre Pläne um, dann werden Minijobs noch mehr zu Lasten sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ausgeweitet.

Deswegen stellen wir uns gegen die Reformpläne der Ampel: Macht mit bei unserer Aktion gegen die Ausweitung von Minijobs! Wir brauchen gute Arbeit – sozialversicherungspflichtig ab dem ersten Euro, gut bezahlt, tarifgebunden und mitbestimmt!


Und was bringt außerdem bessere Jobs? Eine starke Gewerkschaft!

Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Jetzt aber los – gemeinsam für faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen!


Ich will mehr Infos zu ver.di!

Unterschreibt unsere Petition gegen die Ausweitung der Minijobs: alle Infos hier per Klick!

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