Gleiches Geld

Entgelttransparenz muss dringend Zähne zeigen!

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Entgelttransparenz muss dringend Zähne zeigen!

Evaluationsbericht zeigt: In der jetzigen Form ist das Gesetz nicht mehr als ein zahnloser Tiger...
Junge Frau wütend sauer Wut Dampf SIphotography, Bild-ID #52761619, Depositphotos.com Wie lange sollen wir eigentlich noch warten auf echte Entgeltgerechtigkeit?!

Gleiches Gehalt für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit – das war das selbsterklärte Ziel des Gesetzes zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen zwischen Frauen und Männern (EntgTranspG), das vor zwei Jahren in Kraft getreten ist. Nun bestätigt die im Gesetz vereinbarte Evaluation, dass es in der jetzigen Form quasi ein zahnloser Tiger ist.

Der Evaluationsbericht wurde nun im Bundeskabinett beschlossen. Es zeigt sich: Alle drei Kernelemente des Gesetzes – Auskunftsanspruch, Prüfverfahren und Berichtspflicht – entfalten in der jetzigen Form nicht die beabsichtigte Wirkung. Das Gesetz ist in seiner aktuellen Fassung an den entscheidenden Stellen nicht konsequent ausgestaltet und bleibt weit hinter dem selbstgesteckten Ziel zurück, gleiche Löhne für Frauen und Männer zu erreichen.

  • Insgesamt nur zwei Prozent aller befragten Beschäftigten (entspricht 43 Anfragen, 21 davon stellten Frauen und 22 davon kamen von Männern), davon vier Prozent in großen Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten, haben zur Höhe der Entlohnung vergleichbarer Tätigkeiten von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht.

  • Weniger als die Hälfte der dazu aufgeforderten Unternehmen (45 Prozent) haben eine Überprüfung ihrer betrieblichen Entgeltstrukturen durchgeführt, im Öffentlichen Dienst sogar nur ein Viertel. Die angewendeten Verfahren und die Ergebnisse sind nicht transparent.

ver.di kritisiert schon seit Langem: Transparenz allein reicht nicht, um tatsächlich Wirkung zu entfalten! Die drei Kernelemente müssen umfassender und verpflichtender ausgestaltet werden:

  1. Der Auskunftsanspruch muss für alle Beschäftigten gelten, unabhängig von der Größe des Betriebs. Denn zwei Drittel der Frauen arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen und sind vom Gesetz bisher ausgeschlossen.

  2. Zudem braucht es eine Pflicht zur Durchführung zertifizierter Prüfverfahren und Berichte statt der bloßen Aufforderung – sowie empfindliche Sanktionen bei Nichterfüllung.

  3. Nicht zuletzt muss den Beschäftigten mit der Möglichkeit einer Verbandsklage der Rücken gestärkt werden, damit sie mit der erhaltenen Auskunft im Falle einer Entgeltdiskriminierung und der Durchsetzung ihrer Rechte nicht alleine dastehen! Denn bislang sieht das Gesetz zwar den Auskunftsanspruch vor, jedoch keinen Automatismus, dass der Arbeitgeber in einem solchen Fall die Diskriminierung zu beseitigen hat. Dafür muss im Fall der Fälle erst der individuelle Rechtsweg eingeschlagen werden. Für eine einzelne Person hat dies mitunter gravierende Auswirkungen auf das Verhältnis zum Arbeitgeber.

ver.di fordert die Bundesregierung auf, den offenkundigen Handlungsbedarf anzupacken und das Gesetz an den relevanten Punkten wirkungsvoll zu gestalten!

Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass Frauen für gleiche und gleichwertige Arbeit auch gleich verdienen und die Einlösung dieses Anspruches verträgt keine halbherzigen Gesetze mehr!

Eine Stellungnahme des DGB zur Evaluation findet ihr unten als PDF, mehr Infos auch hier:

Mehr Infos zu Equal Pay findet ihr auf unserer Themenseite: