Gleichstellung

Wird die Corona-Krise zu einer Krise der Frauen?!

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Wird die Corona-Krise zu einer Krise der Frauen?!

Corona aus frauenpolitischer Sicht: bundesweite Initiativen, Informationen und verschiedene Blickwinkel
Corona Frau Maske Virus yuliyaloginova92@mail.ru, depositphotos.com Die zusätzliche Sorgearbeit in Zeiten von Corona erledigen meistens die Mütter.

Bitte keine Rolle rückwärts – die Krise wird zur Gefahr für die Gleichstellung! Nun stellen bundesweit tätige Organisationen und Verbände ihre Forderungen an Bundesregierung und Arbeitgeber.

Gerne wird das Thema Gleichstellung auf die lange Bank geschoben. „Ist jetzt gerade nicht so wichtig!“. Das hören wir oft.

Aber im Gegenteil! In Zeiten von Corona zeigt sich besonders deutlich auch: alle Forderungen zu frauen- und gleichstellungspolitischen Themen, die wir hatten und die nicht umgesetzt sind, verstärken die Ungleichheit und machen die Corona-Krise zu einer Krise der Frauen! Das darf nicht passieren! Frauen dürfen nicht die Verlier*innen der Krise werden!

Und die Frauen in systemrelevanten Berufen dürfen nicht nur beklatscht werden – das immer gerne auch – aber es muss sich auch auszahlen! Die Aufwertung muss endlich vorankommen!

Gemeinsam für echte Gleichstellung, gerade während der Pandemie!

Auf Initiative der BAG ist der Aufruf "WANN, WENN NICHT JETZT!" entstanden, den wir sehr gerne unterzeichnet haben! Nach zahlreichen positiven Rückmeldungen gibt es dazu nun auch eine "WANN, WENN NICHT JETZT!"-Online-Petition, die ihr bei Change.org unterzeichnen könnt!

Zusätzlich haben die Initiatorinnen und die Erstunzerzeichnenden der Kampagne #stattblumen gemeinsam ihren Appell und ihre Forderungen an die Politikverantwortlichen verfasst. Auch diesen Vorstoß unterstützen wir gerne. Hier könnt ihr #stattblumen unterstützen und online unterzeichnen!

Bitte macht beide Initiativen bekannt und gebt die Infos weiter, denn nur gemeinsam können wir etwas verändern! Die Kolleg*innen haben mehr verdient! Und Gleichstellung ist systemrelevant!

Weitere Informationen, Einschätzungen und verschiedene Blickwinkel zu Corona aus frauenpolitischer Sicht haben wir hier für euch zusammengestellt:

  • DGB: Das Corona-Papier in leichter Sprache

    Gleichberechtigt aus der Krise!

    Die Folgen von Corona betreffen alle? Ja – aber Frauen treffen sie besonders hart. Wo Frauen bisher strukturell benachteiligt waren, wie bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen, haben sich die Gräben noch vertieft.

    Gerade wegen Corona müssen alle Ministerien die Gleichstellung (ganz oben) auf ihre Agenda setzen – vom Kanzlerinnenamt über das Finanzministerium bis zum Wirtschafts- und Arbeitsministerium. Konsequent, bei jeder inhaltlichen und finanziellen Entscheidung müssen sie prüfen: Trägt ihr Vorhaben dazu bei, die Benachteiligung von Frauen abzubauen?

    Die DGB-Frauen fordern:

    • Wirtschaftshilfen gerecht verteilen!
    • Steuerrecht fair gestalten!
    • Den Wert endlich anerkennen!
    • Rollen vorwärts, statt Rolle zurück!
    • Betreuung stärken – für die Zukunft von Frauen!
    • Recht auf mobiles Arbeiten!
    • Gleiche Chancen in der Digitalisierung!
    • Mehr Frauen in Führungspositionen!

    Auf der DGB-Webseite findet ihr das vollständige Corona-Papier in zwei Varianten als PDF:

  • Hans-Böckler-Stiftung: Online-Befragung belegt Rückschritt durch Corona

    In der Pandemie verschärft sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, wie eine vom WSI ausgewertete Umfrage belegt.

    Die Coronakrise stellt eine enorme Belastung dar für das Gesundheitswesen, die Volkswirtschaft, den Sozialstaat – und für die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern nehmen momentan zu.

    Frauen reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit, ihr Anteil an der Sorgearbeit steigt jedoch noch mehr. Das zeigen Ergebnisse einer neuen Online-Befragung, für die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung 7677 Erwerbstätige interviewt wurden.

    Als Fazit halten die Sozialwissenschaftlerinnen des WSI fest, dass die zusätzlich anfallende Sorgearbeit durch die Schließung von Kitas und Schulen Familien enorm unter Druck setzt und dabei Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verfestigen kann.

    Um dem entgegenzuwirken, brauche es zumindest für die unteren Einkommensgruppen mehr finanzielle Unterstützung, wenn wegen Kinderbetreuung Arbeitszeit reduziert werden muss, und eine Entlastung bei der Sorgearbeit.

    Aus Sicht der Familien – insbesondere der Kinder und der Frauen – sollte eine schrittweise Öffnung der Kitas Priorität haben. Zudem gelte es, die Möglichkeiten für digitalen Unterricht auszubauen und über innovative Betreuungsmodelle nachzudenken.

  • ver.die: die ver.di Frauen in RPS zu Frauen auf dem Abstellgleis, Teilzeit und Familienarbeit

    Erwerbsarbeitszeit – eine abnehmende Größe

    In Deutschland ist die Erwerbsarbeitszeit in den letzten vierzig Jahren kontinuierlich gesunken. Aber warum merken wir die Verkürzung der Arbeitszeit nicht? Ganz einfach: Weil die Erwerbsarbeit in Deutschland in zwei Welten geteilt ist – eine Vollzeitwelt und eine Teilzeitwelt. Im Klartext: Während die einen immer länger arbeiten, arbeiten die anderen immer kürzer.

    Mehr dazu als kompaktes PDF (83 kB):

    Frauen auf dem Abstellgleis

    Frauen sind in Deutschland als Zuverdienerinnen willkommen. Das erlaubt, dass sie nebenbei die Hauptverantwortung für die Familienarbeit übernehmen. Und der Dank dafür? Deutschland behandelt Frauen als Minderleisterinnen und bestraft sie anschließend ein zweites Mal dafür, weil sie „versorgt“ sind, sprich: unbezahlt für die Familie arbeiten.

    Mehr dazu als kompaktes PDF (145 kB):

  • Stellungnahme der BAG Mädchen*politik zu Corona-Pandemie und Mädchen*

    still*loving*moving*girls

    Auszug aus einer Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft, kurz BAG Mädchen*politik zu besonderen Corona-Schutzmaßnahmen für Mädchen* und junge Frauen*:

    "In Stellungnahmen, Expertisen und Studienpräsentationen bekommen wir als Gesellschaft Hinweise, wie wir uns in der Krise verhalten sollten. Dabei fehlen allerdings grundlegende weibliche* Perspektiven auf die Pandemie.

    Gerade in der aktuellen Situation brauchen Mädchen* und junge Frauen* Aufklärung und vielfältige Role Models, an denen sie sich orientieren können. Nur so erfahren sie, dass es die Expertise aus verschiedenen Disziplinen und von verschiedenen Geschlechtern braucht, um eine solche Krise zu bewältigen. Eine Kanzlerin alleine ist da zu wenig.

    Vor allem Alleinerziehende, Personen, die in gewaltvollen Familien leben, Menschen, die keinen sicheren Aufenthaltsstatus haben oder keinen eigenen Wohnraum, können in der aktuellen Situation nur schwer Beruf bzw. Alltag und Familie vereinbaren. Das Private ist und war nie für alle Mädchen* und junge Frauen* ein Schutzraum.

    Insbesondere im Privaten finden Grenzüberschreitungen, sexuelle Ausbeutung und soziale Isolation statt. #stayathome wird so zu einer Maxime, die für viele Mädchen* und junge Frauen* eine Maximierung der Gefährdungen statt Schutz bedeuten kann.

    Von Rassismus betroffene Mädchen* und junge Frauen* werden im öffentlichen Raum seit der Covid-19-Pandemie häufiger angefeindet, für sie können private Räume gleichsam häufiger ein Schutz vor Rassismus sein.

    Vor dem Hintergrund der Pandemie fordert die BAG Mädchen*politik die Entscheidungsträger*innen auf, die häufig erschwerten Lebenslagen von (mehrfach diskriminierten) Mädchen* und jungen Frauen* zu berücksichtigen.

    Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie beziehen zunächst keine Bedarfe von Kindern und Jugendlichen ein und weisen keine geschlechtersensible Perspektive auf.

    Wir plädieren – analog zum Kinder- und Jugendhilfegesetz – für geschlechtersensible Maßnahmen, die die Lebenslagen von Mädchen*, Frauen*, Müttern*, geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in den Blick nehmen!"

    Die vollständige Veröffentlichung der BAG Mädchen*politik mit Forderungen zu besonderen Corona-Schutzmaßnahmen für Mädchen* und junge Frauen* gibt es hier als kompaktes PDF:

  • Corona & Care: Ein Blog der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Sorgearbeit in Zeiten von Corona

    Wenn schon Corona nicht abwendbar ist, so hoffentlich die von Anbeginn zu befürchtenden Auswirkungen auf die vielen unter- und unbezahlten Sorgearbeiterinnen und Sorgearbeiter!

    Dazu will der FES-Blog "Corona & Care" beitragen mit Schlaglichtern auf wesentliche Fragen:

    • Wer kümmert sich?
    • Um wen wird sich gekümmert – und um wen nicht?
    • Und wen kümmert’s?

    Konkreter:

    • Welche Personengruppen tragen welche unterschiedlichen Lasten und Pflichten in dieser Zeit?
    • Welche Risiken und Nebenwirkungen zieht die gegenwärtige Corona-Krise, insbesondere aus einer Geschlechter-Perspektive nach sich, die oft auch eine Sorgearbeits-Perspektive ist?
    • Und welche mittel- und langfristigen Maßnahmen braucht es von wem, um Sorgearbeit (und dort Beschäftigte) zu unterstützen?

    Diese Fragen stellen sich nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Deshalb präsentiert der Blog deutsche und internationale Stimmen von allen Kontinenten, auch dank der über 100 Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung weltweit. Fast 20 aktuelle Lageberichte und politische Analysen, in Textform und als Podcasts, umfasst der Blog schon jetzt und wächst tagtäglich.

    Er nimmt die gegenwärtige Situation in den Blick: von erwerbstätigen Eltern, von Kindern zu pflegender Angehöriger, von Geburten, von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie die daraus abzuleitenden politischen Maßnahmen für die Gegenwart, für die nähere und die fernere Zukunft.

    Schon jetzt steht fest: Corona ist ein Brennglas. Viele Missstände im Care-Sektor, die jetzt als gravierende Probleme sichtbar werden, haben ihre Ursache lange vor Corona. Dass sie jetzt sichtbar werden und der Umgang mit ihnen nun unausweichlich wird – das ist die Chance, die in Corona steckt! Machen wir was daraus!

  • Deutscher Frauenrat: Rolle rückwärts abwenden!

    Der Deutsche Frauenrat (DF) begrüßt das besonnene Vorgehen der Bundesregierung und Ministerpräsident*innen der Länder bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. In den Maßnahmen zur Lockerung bestehender Einschränkungen vermisst der DF jedoch eine Entlastung von erwerbstätigen Eltern mit kleinen Kindern.

    DF-Vorsitzende Mona Küppers erklärte dazu am 17. April 2020: „Politiker*innen scheinen davon auszugehen, dass Familien die Betreuung von Kita- und Schulkindern weiterhin auf eigene Kosten stemmen. Das wird dazu führen, dass vor allem erwerbstätige Mütter mit kleinen Kindern von den Lockerungen kaum profitieren.“

    In den allermeisten Fällen wird die coronabedingt zusätzlich anfallende Sorgearbeit von Müttern erbracht, knapp 90 Prozent mit Kindern unter drei Jahren arbeiten in Teilzeit. Es ist deshalb zu befürchten, dass sie aufgrund kleinerer Gehälter beruflich zurückstecken, damit Kinder versorgt und die familiensichernden Einkommen der Väter erhalten bleiben.

    „Diese Entwicklung ist eine Rolle rückwärts in die fünfziger Jahre,“ kritisiert Küppers. „Indem sie Familien mit der Betreuungsfrage alleine lassen, konterkarieren die Verantwortlichen in der Corona-Krise alle Bemühungen der vergangenen Jahre zu besserer Vereinbarkeit von Familie mit Beruf und höherer Müttererwerbstätigkeit.“

    Der DF fordert deshalb großzügigere Regelungen bei der Notfallbetreuung in Schulen und Kitas. Das gilt insbesonders für die 1,5 Millionen Alleinerziehenden, davon rund 90 Prozent Frauen. Wenn Kitas weiterhin aus Infektionsschutzgründen für die Mehrheit geschlossen bleiben, ist eine Entgeltersatzleistung erforderlich. Diese muss bei all denjenigen tatsächlich ankommen, die sich wegen der Schließungen Lohnausfällen gegenübersehen – dazu zählen auch pflegende Angehörige.

    Die am 15. April 2020 bekannt gewordenen Maßnahmen zur Lockerungen der virusbedingten Einschränkungen sehen unter anderem vor, die Schulen schrittweise zu öffnen. Kitas bleiben vorerst geschlossen. Zuvor hatte die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften empfohlen, wegen des Ansteckungsrisikos Kindergärten bis zu den Sommerferien nicht zu öffnen.

    Die Arbeitsgruppe, die Bund und Länder zu den Lockerungen der Corona-Einschränkungen berät, besteht aus 24 Wissenschaftlern und zwei Wissenschaftlerinnen. Hier wird deutlich, dass die Unterrepräsentanz von Frauen in Entscheidungspositionen gravierende Auswirkungen für alle Frauen hat, weil ihre Lebensrealitäten nicht abgebildet werden: So fehlt in den Empfehlungen gänzlich die Perspektive erwerbstätiger Mütter, die zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung rotieren und dringend entlastet werden müssen.

    Diese und ähnliche Meldungen findet ihr auf der Webseite des DF:

  • EMMA: Paare in der Krise

    Ähnlich wie der Deutsche Frauenrat (siehe vorher) sieht es das Frauenmagazin EMMA.

    Dort schreibt Annika Ross zum Thema:

    "Corona katapultiert Paare zurück in die 50er-Jahre. Längst überkommen geglaubte Verhaltensmuster leben auf. Selbst in vermeintlich gleichberechtigten Beziehungen. Die Ausnahmesituation zeigt, wie es in Deutschland wirklich um die Gleichberechtigung der Geschlechter bestellt ist. Drei Frauen erzählen."

     Die vollständige Meldung findet ihr auf der Webseite der EMMA:

  • WirtschaftsWoche: Zerstört Corona Frauen-Karrieren?

    Bloß nicht in die 50er-Jahre-Falle tappen!

    Die Herausforderungen der Corona-Krise treiben Frauen und Männer verstärkt in alte Rollenmuster. Wohin das führen kann, erläutert u. a. Bettina Kohlrausch, WSI-Direktorin der Hans-Böckler-Stiftung in einem Bericht der Wirtschaftswoche:

  • Corona-Newsticker der EAF Berlin

    Berichte zu Frauen und Corona

    Eine Sammlung frauenpolitisch interessanter Berichte zu Corona liefert die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V. (kurz EAF Berlin) mit ihrem laufend ergänzten Corona-Newsticker:


Weiteren Input rund um Corona findet ihr in unserer Infosammlung für Eltern und Frauen.

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