Gleichstellung

Homeoffice: Mit Vorurteilen aufgeräumt

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Homeoffice: Mit Vorurteilen aufgeräumt

Studienergebnis: Pandemie hat bisherige Barrieren gegen Arbeit von zu Hause aus abgebaut
Frau Homeoffice mobiles Arbeiten Schreibtisch Büro Ivan Samkov, pexels.com Der Anteil von Frauen und Müttern, die im Homeoffice arbeiten, ist auch nach Corona deutlich höher als zuvor.

Die Pandemie hat an der Präsenzkultur gerüttelt und geschlechtsspezifische Barrieren eingerissen, die dem Homeoffice zuvor im Weg standen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI), dem Wissenschaftszentrum Berlin, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sowie den Universitäten Bielefeld und Hamburg.

Vor der Pandemie war es in Deutschland eher unüblich, im Homeoffice zu arbeiten. Lediglich zwölf Prozent der Beschäftigten taten dies regelmäßig. Oft waren es Männer in gut bezahlten Jobs mit hoher Arbeitsbelastung, die gelegentlich einen Tag zu Hause blieben, um ungestört Rückstände aufzuarbeiten. Für Frauen mit Kindern, die vor allem ein Interesse an einer besseren Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Pflichten gehabt hätten, bestand dagegen häufig keine Möglichkeit, den Job daheim zu erledigen.

Die Forscherinnen haben anhand eines IAB-Datensatzes, der an die 7.000 Beschäftigte abdeckt, analysiert, welche Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Elternschaft und Erwerbsarbeit im Homeoffice vor und nach der ersten Corona-Welle bestanden. Was im Untersuchungszeitraum vor allem abnahm, waren die Unterschiede zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen: Die zuvor beobachteten Differenzen zwischen Frauen und Männern mit und ohne Kinder sind kleiner geworden. 

Befürchtung verminderter Arbeitsleistung im Homeoffice nicht bestätigt

Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung bei den Müttern, die nicht von zu Hause arbeiten konnten, weil es der Arbeitgeber nicht erlaubte. Das waren vor Corona 21 Prozent, im August 2020 aber nur noch 13 Prozent. Ebenso ging die Furcht vor einem „Flexibilitäts-Stigma“ zurück – also die Angst, mit dem Fernbleiben vom Büroarbeitsplatz eine geringere Leistungsbereitschaft zu signalisieren.

Insbesondere die zuvor offenbar von vielen Arbeitgebern gehegte Befürchtung, gerade bei Müttern würde im Homeoffice die Arbeitsleistung unter den familiären Verpflichtungen leiden, habe sich in der Praxis anscheinend nicht bestätigt, betont WSI-Forscherin Yvonne Lott. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass sich auch bei Männern die Motive für die Arbeit im Homeoffice geändert haben. Sie blieben nun häufiger zu Hause, um Arbeit und Familienleben besser unter einen Hut zu bekommen, nicht nur, um mehr Ruhe für große Arbeitsmengen zu haben.

Allerdings weisen die Forscherinnen darauf hin, dass längst nicht alle Geschlechterunterschiede in Sachen Homeoffice beseitigt seien. Denn Frauen haben weiterhin überdurchschnittlich oft Jobs, die sich nun einmal nicht aus der Ferne erledigen lassen. Zudem arbeiten sie häufig in wirtschaftlich eher schwachen Sektoren, in denen die Arbeitgeber möglicherweise die nötigen Investitionen in eine Homeoffice-taugliche Infrastruktur scheuen.

Weitere Infos und die gesamte Studie findet ihr hier:

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