Gleichstellung

Frauenquote wirkt nur mit Sanktionen

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Frauenquote wirkt nur mit Sanktionen

Daten des European Institute for Gender Equality ausgewertet – freiwillige Selbstverpflichtung hilft fast nichts.
Frauenquote Frauenanteil Mann Frau Waage Waldemarus, Bild-ID #65096397, Depositphotos.com Von Freiwilligkeit oder Quoten ohne Sanktionen ist nicht viel zu erwarten.

Geschlechterquoten in Europa: Frauenanteil steigt am schnellsten, wenn harte Sanktionen drohen.

Von freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Erhöhung des Frauenanteils oder weitgehend sanktionslosen Geschlechterquoten ist laut einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wenig zu erwarten. Die Analyse unterschiedlich ausgestalteter Quoten belegt, dass sich der Frauenanteil vor allem dann deutlich erhöht, wenn scharfe Strafen drohen – wie etwa in Norwegen, wo hohe Geldstrafen verhängt oder Unternehmen sogar ganz aufgelöst werden können. Dort ist mit der Quote der Frauenanteil in Spitzenpositionen von 20 auf 41 Prozent gestiegen.

Zusammengefasst zeigt die Auswertung der Daten des European Institute for Gender Equality:

  • Der Frauenanteil in höchsten Kontroll- bzw. Entscheidungsgremien ist in europäischen Ländern mit Geschlechterquoten und harten Sanktionen auf knapp 40 Prozent gestiegen.
  • Diese Entwicklung ist in Ländern mit moderaten Sanktionen wie Deutschland deutlich langsamer.
  • Freiwillige Selbstverpflichtungen helfen fast gar nicht.

Von freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Erhöhung des Frauenanteils in Spitzengremien der Privatwirtschaft oder sanktionslosen Geschlechterquoten ist also wenig zu erwarten. Laut DIW-Analyse ist der Erfolg einer Geschlechterquote eindeutig damit verbunden, wie genau diese ausgestaltet ist:

  • Drohen den Unternehmen bei Nichteinhaltung der Quote harte Sanktionen, wie beispielsweise in Norwegen die Zwangsauflösung oder hohe Geldstrafen, steigt der Frauenanteil deutlich stärker als in Ländern mit moderaten Sanktionen wie Deutschland.
  • Eine völlig sanktionslose Quote ist derweil immer noch wirkungsvoller als gar keine Quote oder eine bloße Empfehlung zur freiwilligen Erhöhung des Frauenanteils.

Geschlechterquoten wirken tatsächlich, und zwar umso mehr, je strikter sie ausgelegt sind.

Katharina Wrohlich, Studienautorin und Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

"Oft wird das noch immer bestritten und auf die Eigeninitiative der Unternehmen vertraut", sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

"Wenn es um Quotenregelungen auch für andere Bereiche wie Politik, Wissenschaft oder Medien geht, sollte also allen Beteiligten klar sein, dass von freiwilligen Selbstverpflichtungen oder Quoten ohne Sanktionen nicht sehr viel zu erwarten ist“, so Wrohlich.

Norwegen ist Vorreiter und hat höchsten Frauenanteil – dank harter Sanktionen

Für die Studie hat Katharina Wrohlich gemeinsam mit Paula Arndt Daten des European Institute for Gender Equality (EIGE) beziehungsweise der Datenbank „Women and Men in Decision Making“ seit dem Jahr 2003 ausgewertet. Damals hat Norwegen als erstes Land eine verbindliche Geschlechterquote für hohe Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen und Unternehmen im Staatsbesitz eingeführt. Seitdem hat sich der Frauenanteil dort mehr als verdoppelt (von 20 auf 41 Prozent).

In Norwegen drohen harte Sanktionen, wenn sich die Unternehmen nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, genau wie in Frankreich, Belgien und Italien. Im Durchschnitt liegt der Frauenanteil in Spitzengremien großer Unternehmen in dieser Ländergruppe heute bei 39 Prozent. 16 Jahre zuvor waren es erst acht Prozent.

Demgegenüber ist der Frauenanteil in den Ländern mit moderaten Sanktionen, zu denen neben Deutschland auch Österreich und Portugal gehören, nur von sieben auf 29 Prozent gestiegen. Ähnlich verlief die Entwicklung in den Ländern mit sanktionslosen Geschlechterquoten (Steigerung von sechs auf 29 Prozent).

Deutlich weniger tut sich, wenn Länder den Unternehmen nur Empfehlungen zu Gender Diversity im Rahmen von Leitlinien zur Unternehmensführung geben (Steigerung von zwölf auf 23 Prozent) oder nicht einmal das tun (Steigerung von elf auf 17 Prozent).

"Jede Geschlechterquote – ganz gleich, wie sie ausgestaltet ist – ist besser als keine Geschlechterquote", so Wrohlich. "Wenn es ein Land beziehungsweise dessen Regierung jedoch wirklich ernst meint mit der Gleichstellung, muss es harte Sanktionen für den Fall der Nichterfüllung der Quote geben. Und die Unternehmen müssen wissen, dass die Sanktionen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Zweifel auch angewandt werden.“

Die komplette Studie und Hintergrundinformationen zum Thema gibt es auf den Seiten des DIW:

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