Frauenförderung

Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

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Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Studienergebnisse zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Corona-Krise
Mann Frau Arbeitsmarkt Arbeit Business Chancengleichheit Gerd Altmann, pixabay.com Durch die Corona-Krise leidet die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Das Kompetenzzentrum Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit hat aktuelle Studienergebnisse zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zusammengetragen.

Das Thema Chancengleichheit und Gleichstellung ist während der Corona-Krise aktueller denn je, auch in der Bundesagentur für Arbeit (BA) und in den Ministerien.

Ich hoffe sehr, dass vier Monate Corona nicht alles zerstören, was in Jahrzehnten an Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt erreicht wurde. Wir müssen alles daransetzen, dass dies nicht passiert.

Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit

„Deutschland muss alles daransetzen, damit Corona nicht die Gleichberechtigung zerstört“, betonte beispielsweise Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der BA, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu den Auswirkungen der Pandemie.

Zur Frage der SZ, ob Frauen die Verliererinnen der Krise sind, sagt Scheele: „Ich hoffe sehr, dass vier Monate Corona nicht alles zerstören, was in Jahrzehnten an Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt erreicht wurde. Wir müssen alles daransetzen, dass dies nicht passiert. Auch was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft.
Nach Corona bleibt es bei schrumpfender Bevölkerung und Arbeitskräftemangel. Es wäre verrückt, das Verhältnis der Geschlechter zurückzudrehen!

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) veröffentlichte eine Studie, die die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Corona-Krise bestätigen. Das Papier findet ihr auf der Webseite des BiB:

Des Weiteren hat der Stab Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Zentrale (BCA) für Verwaltungsrat und Vorstand ein Arbeits- und Diskussionspapier zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Corona-Krise erstellt und liefert Handlungsempfehlungen. Das Papier mit dem Titel "Corona: Auswirkungen der Pandemie auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt" verdeutlicht, welche Stellhebel zur Förderung der Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bewegt werden können und zum weiteren regionalen Vorgehen anregen.

Die Ergebnisse dieses Papiers in Kurzfassung:

  1. Frauen als Erziehende und Frauen in systemrelevanten Berufen stehen hinsichtlich der familiären und finanziellen Belastungen stark unter Druck.
    Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von rund 1,6 je Familie, einer durchschnittlichen Erwerbstätigenquote von Alleinerziehenden von 70 Prozent und einem Doppelverdiener-Anteil von 65 Prozent bei Paarhaushalten betrafen die Schließung von Kitas und Schulen gut 3 Millionen berufstätige Mütter und Väter1. Meist bleiben die Frauen zu Hause, da sie im Vergleich zu den Männern bereits vorher die Hauptlast der familiären Sorgearbeit getragen haben und teilweise geringere Erwerbseinkünfte haben. Die Erziehenden, insbesondere Alleinerziehende, könnten zu den großen Verliererinnen und Verlieren gehören.

  2. Der gute Integrationsprozess von Migrantinnen wurde schlagartig unterbrochen, Unterstützungen stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. 
    Notwendige Sprachkurse, Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung oder ESF-Bundesprogramme sowie soziale Angebote können derzeit nicht oder nur begrenzt wahrgenommen werden. Auch die Beratungs- und Übersetzungsdienstleistungen der Migrationsberatungsstellen stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. Je länger die Unterbrechung dauert, umso schwieriger und langwieriger wird die Integration in Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt. Die Dienstleistung der BA wird durch die fehlenden Fortschritte bei der Integration weniger in Anspruch genommen, u. U. kommen dadurch Hilfsleistungen nicht an. 

  3. Aufgrund ihres oft geringeren Verdienstes erhalten Frauen häufig auch weniger Kurzarbeitergeld.
    Kurzarbeitergeld berechnet sich nach dem Nettoentgeltausfall. In den tendenziell schlecht bezahlten Branchen Gastgewerbe, Einzelhandel (nicht Lebensmittel) und Gesundheitswesen sind Frauen besonders betroffen. Weil obendrein das Nettoeinkommen der Frau – meist durch Teilzeit – besonders niedrig ist, sinkt auch die Höhe des Kurzarbeitergeldes erheblich. Zudem arbeiten Frauen häufiger in Branchen, in welchen das Kurzarbeitergeld nicht vom Arbeitgeber weiter aufgestockt wird. Und auch Minijobs werden überwiegend von Frauen ausgeübt: Sie haben gar keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

  4. Frauen in Minijobs und deren Familien sind massiv von Entgeltverlusten betroffen.
    Bereits Ende März 2020 übten nur noch knapp 6,4 Mio. Beschäftigte einen Minijob im gewerblichen Bereich aus. Dies entspricht im Vorjahresmonatsvergleich einem Rückgang von fast 220.000 Minijobs bzw. 3,3 Prozent. 157.000 davon sind Frauen. In vielen Fällen stocken vor allem Frauen das Haushaltseinkommen auf, ohne diese Einkommensquelle können viele Familien wieder in existenzielle Nöte geraten. Der Minijob wird in der Grundsicherung häufig beim beruflichen Wiedereinstieg als erster Schritt in den ersten Arbeitsmarkt gesehen. Diese Möglichkeit steht nun nur noch im begrenzten Umfang zur Verfügung.

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© Kay Herschelmann