Gute Arbeit

Frauen profitieren von Tarifverträgen

Gute Arbeit

Frauen profitieren von Tarifverträgen

WSI-Analyse zu Tarifverträgen und DGB-Fakten zu den Auswirkungen der Tarifbindung auf Frauen.
Frauen kämpfen für gute Tarife ver.di FB1 Hannover/Jelca Kollatsch Frauenpower für gute Tarife!

Höhere Entgelte, Sonderleistungen wie Urlaubs­- und Weihnachtsgeld, Arbeitszeitregelungen – Tarifverträge setzen bessere Standards für alle. Und für Frauen lohnen sie sich ganz besonders!

Der nicht so kleine Unterschied:

Zwischen Frauen und Männern klafft eine durchschnittliche Lohnlücke von 21 Prozent. Wo Tarifverträge gelten, ist die Entgeltlücke um ganze zehn Prozentpunkte kleiner. Tarifverträge heben gerade am unteren Ende der Lohnverteilung das Einkommen und helfen, den Gender Pay Gap (das geschlechtsspezifische Lohngefälle) zu verringern.

Unter dem Schutz von Flächentarifverträgen schmolz die Entgeltlücke zwischen 2000 und 2010 um sechs Prozentpunkte, während sich ohne Tarifbindung kaum etwas bewegte.

Zur Tarifbindung von Männern und Frauen:

Auf den ersten Blick profitieren Männer und Frauen in ähn­lichem Maße von tariflich geregelten Arbeitsbedingungen. Schaut man genauer hin, unterscheidet sich die Tarifbindung von Frauen und Männern allerdings stark nach Branche, Betriebsgröße und Region.

In Branchen, in denen Tarifbindung auffällig selten ist, arbeiten besonders viele Frauen. Während im Bergbau, in der Energie- und der Wasserversorgung drei von vier Beschäftigten unter dem Schutz eines Tarifvertrages arbeiten, gilt das im Gastgewerbe nur für eine von drei Beschäftigten und im Informations- und Kommunikationssektor nur für jede Zehnte.

Aber auch Minijobs werden meist nicht nach Tarifvertrag bezahlt. Das trifft vor allem Frauen, die zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten stellen. Wo nach geltenden Tarifverträgen vergütet wird, können außerdem Niedriglöhne zurückgedrängt werden. Auch hier sind es überproportional Frauen (30 Prozent), die unter der Niedriglohnschwelle arbeiten (und 19 Prozent der Männer).

Strukturell schwach ist die Tarifbindung bei kleinen und mittleren Unternehmen. Hier arbeiten zwei Drittel aller erwerbstätigen Frauen. Während von Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten drei von vier tarifgebunden sind, gilt das bei Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten nur für jeden vierten.

In den ostdeutschen Bundesländern sind zwar mit 61 Prozent deutlich mehr Frauen erwerbstätig als in Westdeutschland. Sie können sich aber deutlich seltener über die Ergebnisse von Tarifverhandlungen freuen, weil im Osten nur noch 20 Prozent der Betriebe durch Tarifverträge gebunden sind.

Mit Tarif ist mehr drin:

Wo Tarifverträge gelten, profitieren Frauen überdurchschnittlich: Ihr Bruttostundenlohn liegt in tarifgebundenen Betrieben im Schnitt fast ein Viertel über dem der Frauen in nicht tarifgebundenen Betrieben – während das Tarif-Plus bei Männern gut ein Fünftel ausmacht.

Bei gleichem Beruf und vergleichbarer Tätigkeit macht der positive Tarif-Effekt für Frauen noch immer knapp zehn Prozent aus, während der Unterschied bei Männern nur bei rund sieben Prozent liegt.

Der DGB fordert:

  • Ausweitung der Tarifbindung und Zurückdrängung prekärer Beschäftigung!
  • Aufwertung sozialer, personenbezogener und haushaltsnaher Dienstleistungsberufe!
  • Arbeitszeitmodelle, die Frauen und Männern gleiche Teilhabe am Erwerbsleben ermöglichen!
  • Gesetzliche Verpflichtung für Arbeitgeber, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen!

Weitere Infos zum Thema vom WSI und DGB:

Hier gibt es außerdem DGB-Faktenblätter als PDF:


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