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Equal Care Day 2020

Aktionstage

Equal Care Day 2020

"Sorgearbeit muss aufgewertet und besser entlohnt werden!" – Frank Werneke zum Aktionstag am 29. Februar
DGB Frauen Equal Care Day 2020 Logo (fairsorgen) DGB Care-Arbeit und Pflege verdient mehr Bezahlung und Wertschätzung und muss fair auf alle verteilt werden!

Der Equal Care Day ist eine Initative, die Menschen, Institutionen und Verbände international dazu aufruft, einen Aktionstag zu organisieren und zu feiern, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Sorgearbeit (sogenannte Care-Arbeit) aufmerksam macht.

Der Aktionstag thematisiert das immens große gesellschaftliche Gefälle bei der Verteilung, Wertschätzung und Entlohnung von Sorgearbeit. So verrichten Frauen immer noch zu einem weitaus größeren Teil als Männer nicht-bezahlte Sorgearbeit wie Pflege und Betreuung von Kindern oder Angehörigen sowie Arbeiten im Haushalt.

In der beruflichen Care-Arbeit wiederum arbeiten zu über 80 Prozent Frauen, etwa in Kitas, Grundschulen, in der Pflege oder Reinigung. Es sind Bereiche, in denen weitaus schlechter bezahlt wird als etwa in der (männlich geprägten) Industriearbeit, Altersarmut ist damit vorprogrammiert. 

  • Frank Werneke zum Equal Care Day 2020

    Foto Frank Werneke Foto: Kay Herschelmann Frank Werneke

    Mit einem Appell, Sorgearbeit aufzuwerten und besser zu entlohnen, unterstützt auch der ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke den Equal Care Day 2020, dazu sein Statement (siehe auch www.equalcareday.de):

    "Als Gewerkschaft für die Bereiche Gesundheit und Pflege sowie Kinderbetreuung und mit über 53 Prozent weiblichen Mitgliedern ist bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit für ver.di ein wichtiges Thema. Wir streiten seit Langem für die Aufwertung dieser überwiegend von Frauen verrichteten Tätigkeiten.

    Sorgearbeit, etwa in Kitas, in der Kinder- und Jugendarbeit oder in der Pflege, ist höchst anspruchsvolle und oftmals emotional und körperlich belastende Arbeit. Und sie ist gesellschaftlich absolut notwendige Arbeit, die aufgewertet und besser entlohnt werden muss. 

    Das wird aber zu wenig anerkannt: Die Arbeitsbedingungen beispielsweise in der Pflege und in der Kinderbetreuung sind oft von Stress und Überlastung geprägt und machen krank. Darunter leidet auch die Qualität der Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger. Und für viele Beschäftigte ist angesichts niedriger Löhne die Altersarmut vorprogrammiert.

    Es ist höchste Zeit, Care Arbeit in ihrer zentralen Bedeutung für die Gesellschaft zu würdigen, sie als solche sichtbar zu machen und für alle Beschäftigten und für Bürgerinnen und Bürger wertschätzend zu gestalten.

    Dazu gehört, den Teil der Sorgearbeit, der als entlohnte Arbeit geleistet wird, endlich aufzuwerten und den Anforderungen entsprechend zu bezahlen – wie kann es sein, dass die (männliche) Arbeit an Maschinen um ein Vielfaches besser bezahlt und anerkannt wird als die (weibliche) Arbeit mit Menschen?

    Zur Aufwertung gehört auch eine Rente, die für ein würdiges Leben im Alter reicht, ebenso wie gute Arbeitsbedingungen in der Sorgearbeit, etwa ausreichend Personal. Das ist zum Wohle der Beschäftigten und aller Bürgerinnen und Bürger, die erwarten, dass ihre Kinder oder älteren Angehörigen gut versorgt werden.

    Und wir brauchen eine Pflegevollversicherung, auch sie ist eine wichtige Stellschraube und Voraussetzung für die Aufwertung von Sorgearbeit. Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Pflegebedürftigkeit darf kein individuelles Armutsrisiko sein. Absehbar steigende Kosten für gute Arbeitsbedingungen und anständige Löhne in der Pflege dürfen nicht gegen die Interessen von Pflegebedürftigen ausgespielt werden. 

    Mit tarifvertraglich gestalteten Arbeitszeitmodellen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern, wollen wir außerdem zur Erleichterung einer partnerschaftlichen Verteilung von Sorgearbeit beitragen.

    Am 29. Februar 2020 machen wir öffentlich gemeinsam mit den Initiatorinnen des Aktionstages auf die mangelnde Wertschätzung der gesellschaftlich notwendigen Sorgearbeit aufmerksam und setzen uns für die Aufwertung von bezahlter und unbezahlter Care Arbeit ein."

    Der ver.di-Vorsitzende kritisierte auch die weiterhin ungleich verteilte Last in der nicht-entlohnten Sorgearbeit. Es seien immer noch vor allem Frauen, die wegen häuslicher Sorgeaufgaben die Arbeitszeit reduzierten, in der Teilzeitfalle landeten und in Aufstiegs- und Karrierechancen eingeschränkt würden.

    Abhilfe schaffen könnten neben entsprechenden Tarifvertragsmodellen auch konsequent gelebte, andere Unternehmenskulturen oder das Rückkehrrecht auf Vollzeit für alle.

  • Elke Hannack zum Equal Care Day 2020

    Elke Hannack, Vorstandsmitglied ver.di Kay Herschelmann Elke Hannack

    Elke Hannack verantwortet als stellvertretende Bundesvorsitzende des DGB u. a. die Frauen-, Gleichstellungs- und Familienpolitik. Ihre Position zum Equal Care Day:

    "Gleiche Chancen auf wirtschaftliche Unabhängigkeit und eigenständige Existenzsicherung sind in der deutschen Gesellschaft nicht verwirklicht.

    Strukturelle Hürden verhindern, dass Frauen und Männer gleichermaßen Erwerbs- und Sorgearbeit nach ihren Vorstellungen gestalten können.

    Vor allem Frauen spüren die ökonomischen und sozialen Folgen der geschlechterspezifischen Arbeitszeitverteilung:

    Einkom­mensverluste, eingeschränkte berufliche Perspektiven, unzureichende soziale Absicherung von Lebensrisiken und im Alter.

    Rollenstereotype und gesellschaftliche Erwartungen behindern aber auch Männer, ihren Lebensentwurf selbst zu bestimmen. Als Allein- oder Hauptverdiener des Familienunterhalts fehlen ihnen oft Raum und Zeit für Haus- und Sorgearbeit.

    Folge der ungleichen Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern ist die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, beruflicher Positionen sowie politischer und ökonomischer Macht.

    Nur durch Umverteilung wird unbezahlte Haus- und Sorgearbeit die gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, die ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung entspricht.

    Das Recht auf Haus- und Sorgearbeit und auf Erwerbsarbeit ohne Überforderung muss ohne Unterschied des Geschlechts für alle gleichermaßen gelten."

  • Hintergrundinformationen zum Aktionstag (übernommen von www.equalcareday.de)

    Care-Arbeit ist überwiegend „unsichtbare Arbeit“. Sie wird oft übergangen, genau wie der Schalttag am 29. Februar. Deswegen findet der Equal Care Day in Schaltjahren am 29. Februar und in allen anderen Jahren am 1. März statt.

    Der Equal Care Day liegt auch deshalb auf dem 29. Februar, weil Care-Arbeit zu 80 Prozent von Frauen übernommen wird, ob im Privaten, im Ehrenamt oder im professionellen Bereich. Männer übernehmen also lediglich 20 Prozent und brauchen damit vier Mal so lange, um denselben Umfang an Fürsorge- und Care-Arbeit beizutragen.

    Die Anlehnung an den Equal Pay Day und die Lohnlücke bei den Gehältern ist also bewusst: Da Care-Arbeit zum überwiegenden Teil von Frauen geleistet wird, trägt der Care Gap ganz wesentlich zum Pay Gap bei. Doch während anlässlich des Equal Pay Day seit vielen Jahren über ungleiche Bezahlung und mögliche Lösungswege gestritten wird, wurde der Gender Care Gap mit seinen sozialen Verwerfungen bislang kaum beachtet.

    Die Bildung und Erziehung von Kindern, das Pflegen von Kranken, Alten, Menschen mit Behinderung, die ‚Mental Load‘ im privaten Haushalt: wer pflegt und versorgt, wer kocht und füttert, wer putzt, räumt auf, wäscht und kümmert sich – und zu welchem Preis?

    Die systematische Schieflage wird Frauen allzu oft und immer noch als persönliche Entscheidung zur Last gelegt. Die Aufteilung läge angeblich in der Natur der Sache, Mutterliebe und Empathie würden Mädchen eben in die Wiege gelegt. Warum aber rechtfertigt der trübe Blick in die Steinzeit die mangelnde Wertschätzung dieser Leistung? Und warum genügt dieses Narrativ, um fürsorgliche Menschen lebenslang finanziell zu benachteiligen?

    Die Initiative Equal Care Day fordert eine faire Bezahlung der professionellen Pflegearbeit und eine gerechtere Verteilung der privaten Care-Arbeit sowie den Abbau struktureller Diskriminierung. Sie bietet allen, vor allem aber Organisationen, die im Umfeld Care und Pflege, Familienarbeit und Geschlechtergerechtigkeit aktiv sind, die Möglichkeit, sich gemeinsam zu engagieren und mit allen Beteiligten Lösungen zu diskutieren.

    2016 wurde der Equal Care Day von Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen, seit 2018 wird er vom gemeinnützigen Verein klische*esc e.V. organisiert.

    Zum Aktionstag am 29.02. gibt es übrigens ein BarCamp mit Tagung und Abendgala in Bonn:


    Mehr Infos, Anregungen und Material zum Aktionstag findet ihr auf der Webseite zum Equal Care Day.

  • Lesetipps zur Sorgearbeit


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