Gute Arbeit

"Die Situation in Bangladesch verschlechtert sich täglich!"

Gute Arbeit

"Die Situation in Bangladesch verschlechtert sich täglich!"

Viele Unternehmen der Textilbranche wälzen die Folgen der Corona-Pandemie rigoros auf die Beschäftigten ab.

Videobeitrag von ver.di TV mit Joly Talukder, Vorsitzende der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft in Bangladesch, über die Textilindustrie, das immer noch gefährliche Engagement von Gewerkschaftsaktiven und Textilarbeitenden in ihrem Land und die Dringlichkeit eines Lieferkettengesetzes

Ein Bericht von Carolin-Beate Fieback und Nina Dusper zur Lage in den Zuliefererbetrieben der Bekleidungsindustrie

Viele Unternehmen der Textilbranche wälzen die Folgen der Corona-Pandemie rigoros auf die Beschäftigten ab. Das kriegen zum Beispiel die Kolleginnen und Kollegen in Deutschlands Einzelhandel zu spüren, etwa in der Galeria Karstadt Kaufhof.

Und auch die Tausenden Textilarbeiterinnen in Bangladesch kämpfen um ihr Überleben. 70.000 von ihnen wurden seit Beginn der Corona-Pandemie bereits entlassen. Traditionell hat der Bezirksfrauenrat Duisburg-Niederrhein und Essen-Mülheim eine starke Bindung nach Bangladesch. Die Publik berichtete mehrfach (siehe dazu Video oben).

Die Vorsitzende einer der großen Textilarbeitergewerkschaften, Joly Talukder, schreibt dazu an ver.di:

"Die Situation der arbeitenden Menschen in Bangladesch verschlechtert sich von Tag zu Tag. Das völlige Versagen der Regierung, angemessene Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 zu ergreifen, hat das Leben der Schwächsten in unserer Gesellschaft in Gefahr gebracht. [...] Infolgedessen erreichen die Krankheitsfälle, ebenso wie die Zahl der Toten jeden Tag Rekordhöhen. Diese offiziellen Statistiken täuschen jedoch über die Schwere der Krise hinweg. [...]

Was die Wirtschaft betrifft, so hat die Regierung versucht, ein Konjunkturpaket in Höhe von acht Milliarden Dollar umzusetzen. Die Eigentümer im Bekleidungssektor waren die Hauptnutznießer. Sie haben von der Rettungsaktion profitiert, die mit Steuergeldern finanziert wurde, einschließlich Betriebskapital, zinsgünstigen Darlehen und Notfall-Exportanreizen zur Unterstützung ihrer Unternehmen.

Es wurde jedoch keine direkte Hilfe von der Regierung für die mehr als fünf Millionen Beschäftigten im Textil-Sektor angekündigt. Es war auch nicht die Rede von Wiedereinstellungs- oder Arbeitslosenunterstützung jeglicher Art für die mehr als 70.000 Beschäftigten, die seit Beginn der Schließung von den Fabriken entlassen wurden.

Die BGMEA, die Organisation, die die Unternehmenseigner vertritt, hat die Arbeiterinnen und Arbeiter auf Schritt und Tritt trockengelegt. Am 4. April, als das ganze Land, einschließlich Büros und öffentlicher Verkehrsmittel, abgeriegelt war, unternahm die BGMEA den beispiellosen und gefühllosen Schritt, die Eröffnung der Fabriken anzuordnen.

Während dieser Zeit waren viele Arbeiterinnen und Arbeiter in ihre Heimatstädte gegangen. Tausende von ihnen waren jedoch gezwungen, Hunderte von Kilometern zu Fuß zu gehen, nur um ihre Arbeitsplätze zu retten. Doch innerhalb weniger Stunden nach der Ankündigung der Wiedereröffnung zog sich die BGMEA zurück und schloss die Fabriken erneut und ließ die Arbeiter in einem Schwebezustand zurück.

So sind die Bekleidungsarbeiterinnen und -arbeiter finanziell ruiniert, unfähig, ihre Miete zu bezahlen, nicht in der Lage, lebenswichtige Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs auf den Märkten zu beschaffen, wo die Preise in die Höhe geschnellt sind, und nicht in der Lage, eine angemessene Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen, wenn sie durch die Arbeit in überfüllten, unhygienischen Fabriken unweigerlich krank werden.

Joly Talukder, Vorsitzende der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft in Bangladesch

Schließlich waren die BGMEA und die Regierung nicht bereit, die Gesundheit und das Wohlergehen der Beschäftigten über die Profitgier zu stellen, und so eröffneten sie die Fabriken am 28. April in vollem Umfang wieder. Die Eigentümer haben sich jedoch geweigert, die vollen Löhne der Beschäftigten für den Monat April zu zahlen. Sie unterwerfen die Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin der unbezahlten Arbeit in überfüllten, unsicheren Fabrikhallen, wobei den Schutzmaßnahmen wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. [...]

Die Grundgehälter der Bekleidungsarbeiterinnen und -arbeiter in Bangladesch gehören zu den niedrigsten der Welt und die meisten sind auf Überstunden angewiesen. Durch die COVID-19-Krise ist diese wichtige Einkommensquelle für die Beschäftigten jedoch weggefallen.

Die GWTUC (Gewerkschaft der Textilarbeiterinnen) stand wie immer an vorderster Front, die Arbeiterinnen und Arbeiter gewerkschaftlich zu organisieren.

Zu unseren Forderungen gehören die Wiedereinstellung illegal entlassener Arbeiterinnen und Arbeiter, die volle Auszahlung der Löhne für April und Mai und die volle Auszahlung der Prämie. [...] In dieser Situation sieht es unsere Organisation als unsere doppelte Pflicht an, den Lebensunterhalt der Arbeiterinnen und Arbeiter durch unsere Hilfsmaßnahmen [...] zu unterstützen.

Der GWTUC hat an mehreren dreigliedrigen Treffen mit der Regierung und dem BGMEA teilgenommen. Der BGMEA hat sich jedoch nicht einen Zentimeter bewegt, um das Wohlergehen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu sichern, und scheint nur um ihre Gewinnspannen besorgt zu sein.

Auch die Regierung hat im Wesentlichen in einer wohlwollenden Rolle für die Geschäftsinhaber fungiert. [...] Die Regierung hat staatliche Sicherheitsbehörden zur Überwachung unserer Organisationen eingesetzt. Sie hat auch versucht, uns einzuschüchtern, indem sie unwahre Geheimdienstberichte an die Medien durchsickern ließ, in denen sie Mitglieder des GWTUC als "Bedrohung der öffentlichen Ordnung" und als "Versuch, Chaos im Bekleidungssektor zu stiften" identifizierten. Die kommenden Tage scheinen unberechenbar zu sein. [...]

In solch unbeständigen Zeiten rufen wir die Kolleginnen und Kollegen von ver.di auf, bereit zu sein, uns durch Solidaritätsaktionen zu unterstützen, wie ihr es in der Vergangenheit getan habt, auch durch öffentliche Demonstrationen. Da sich die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie in einer so schlimmen Notlage befinden, fordern wir außerdem auf, nach Möglichkeit einen Beitrag zu unserem Hilfs-Fonds zu leisten, damit wir in der Lage sind, möglichst vielen Arbeiterinnen und Arbeitern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Ich danke euch. Joly Talukder"

Bitte schickt Solidaritätsbriefe und Spenden an die Kolleginnen in Bangladesch. Wir werden weiter berichten und stehen im engen Kontakt!

E-Mail: joly_talukder@yahoo.com (bitte auch immer in Kopie an den Landesvorstand ver.di NRW)

Spendenkonto: Monzur Moin
Saving Account: 00680481000262
Mutual Trust Bank Ltd
Kakrail Branch, Bangladesh
SWIFT Code: MTBL BD DH

Mehr Infos zum Thema:

Was hilft am besten in schwierigen Zeiten? Solidarität – auch über Ländergrenzen hinweg!

Seid dabei und gebt uns Rückendeckung: als ver.di-Mitglied und damit als Teil unserer Basis. Denn wir sind umso stärker, je mehr wir sind. Und umso besser können wir für euch verhandeln.

Alle zusammen: Mitmachen, mitbestimmen, Mitglied werden – in eurem eigenen Interesse!
Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Nichts wie los – für gute Arbeitsbedingungen im Handel!


Ich will mehr Infos zu ver.di!

Mehr Infos zu guter Arbeit auf unserer Themenseite:

Frauen aktiv für Tarif und gute Arbeit
© Moritz Braukmüller / ver.di Jugend