Sexismus & Gewalt

Ein Frauenmord ist kein Einzelfall und kein Versehen!

Sexismus & Gewalt

Ein Frauenmord ist kein Einzelfall und kein Versehen!

Frauenorganisationen und Verbände formulieren offenen Brief an die Regierung.
Gewalt Frau Verbrechen Leiche tot Tod artem_furman, depositphotos.com Nimand bringt aus Versehen seine Ehefrau um: Wir fordern härtere Strafen und bessere Aufklärung!

In einem offenen Brief an Bundesministerien, niedersächsische Landesministerien und Justiz formuliert ein Bündnis aus Frauenberatungsstellen und -organisationen seine Forderungen zur härteren Strafverfolgung von Gewalttaten gegen Frauen.

Auszug aus dem offenen Brief von Ende Mai 2020:

"In Deutschland kommt es jeden Tag zur versuchten Tötung einer Frau durch Männer in ihrem engen sozialen Umfeld – meist den Partner oder Ex-Partner. Jeden zweiten bis dritten Tag stirbt eine Frau durch diese Gewalt.

Als Frauenorganisationen und Verbände wissen wir, wie schwierig eine Trennung und Scheidung für die betroffenen Frauen tatsächlich ist. Soziale, finanzielle und emotionale Abhängigkeiten stehen im Konflikt mit einem Entschluss für ein gewaltfreies Leben. Viele Frauen leben jahrelang mit der Gewalt, teilweise mit einem persönlichen Sicherheitsplan für Situationen, in denen die Konflikte unerträglich und lebensgefährlich werden. [...]

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung als Frauenberatungsstellen wissen wir, dass die Tötung der Ehefrau im eigenen Haushalt mit einer illegal erworbenen Waffe kein Versehen ist. Wir wenden uns besonders im Zusammenhang mit der Erschießung der 27-jährigen Besma Akinci in Einbeck/Niedersachsen durch ihren Ehemann an Sie. [...]

Seit der Ermordung von Besma Akinci wenden sich viele Frauen aus der Region sowie Bekannte des Opfers an Frauenberatungsstellen und teilen ihre schweren Ängste mit. Sie kritisieren, dass die Annäherung der Strafverfolgungsbehörden, diese Tat als eine „Tötung aus Versehen“ zu behandeln, untragbar ist. Durch diese Verharmlosung befürchten sie, dass diese Tat für andere Männer Vorbild sein könnte, auch selbst eine derartige Straftat zu begehen.

Wir fordern in expliziter Berücksichtigung der Signalwirkung für alle Frauen und Männer in diesem Land eine lückenlose Aufklärung des Femizides an Besma Akinci!

[...] Wir schließen uns folgenden Forderungen an:

  • Wir fordern Sie auf, Frauen immer ernst zu nehmen, wenn sie Anzeige erstatten.
  • Wir fordern Sie auf, Frauen den bestmöglichen Schutz vor Gewalt zu bieten.
  • Wir fordern Sie auf, gefährliche Täter rasch strafrechtlich zu verfolgen und zur Verantwortung zu ziehen!
  • Wir fordern Sie auf, alles zu tun, um die Einstellung von Strafverfahren zu reduzieren, und lückenlos zu ermitteln!
  • Wir fordern Sie auf, klare Richtlinien und Gefährlichkeitseinschätzungen für U-Haftanträge zu erstellen!
  • Wie fordern Sie auf, verpflichtende Schulungen auch für JuristInnen, AnwältInnen, StaatsanwältInnen und RichterInnen einzuführen, für mehr Sensibilisierung und für ein besseres Verständnis von Traumatisierung, geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen, Täterstrategien und Manipulation von Gewalttätern!
  • Wir fordern Sie auf, endlich das Budget für den Gewalt- und Opferschutz substanziell zu erhöhen!
  • Wir fordern Sie auf, die Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen finanziell und langfristig abzusichern!
  • Wir fordern die Benennung von Feminizid in Medien und Politik – geschlechsspezifische Gewalt muss sichtbar gemacht werden!
  • Wir fordern eine Reform des Tötungsstrafrechts und die Einführung von Femizid als ein strafverschärfendes Merkmal im Strafgesetz!
  • Wir fordern eine aussagekräftige statistische Erfassung von Feminizid!
  • Wir fordern die sofortige Umsetzung der Istanbul-Konvention!

Wir wollen endlich Taten sehen! Keine Frau darf im Stich gelassen werden! Keine Frau darf mehr ermordet werden!"

Den vollständigen Brief und eine Liste aller Unterzeichnenden gibt es hier als kompaktes PDF zum Nachlesen:


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