Vereinbarkeit

DGB-Studie zum Mutterschutz offenbart Defizite

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DGB-Studie zum Mutterschutz offenbart Defizite

Zentrale Instrumente des Arbeitsschutzes für Mütter funktionieren in der Praxis nicht.
Mutterschutz Arbeitsplatz Mutter Kind Sarah Chai, pexels.com Eine Schwangerschaft stellt für viele Frauen immer noch ein Karrierehemmnis dar.

Im Herbst 2021 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine große Online-Befragung zur Umsetzung des Mutterschutzes am Arbeitsplatz durchgeführt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Die Befragung zeigt sehr deutlich: Die Probleme, die sich vielen erwerbstätigen Frauen ab der Schwangerschaft im Betrieb oder in der Dienststelle in den Weg stellen, lassen sich nicht wegdiskutieren. 

Das Mutterschutzgesetz von 2018 zielt darauf ab, dass sich Schwangerschaft bzw. der Wunsch zu stillen und Berufstätigkeit nicht von vornherein ausschließen. Bei der konkreten Umsetzung der mutterschutzrechtlichen Vorgaben auf betrieblicher Ebene tun sich jedoch erhebliche Lücken auf. Das legen die Ergebnisse der DGB-Studie zur betrieblichen Umsetzung des Mutterschutzes nahe.

Zentrale Ergebnisse der Studie sind:

  • Bei mehr als jeder dritten Schwangeren (35 Prozent) wird die Verpflichtung zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung zum Schutz der Gesundheit der Frau und des Kindes am Arbeitsplatz ignoriert. Elf Prozent der Befragten wissen nicht, ob die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde. Nur bei einer knappen Mehrheit der Befragten wurden durch die Arbeitgeberseite Schutzmaßnahmen ergriffen (54 Prozent). 

  • Mehr als die Hälfte der befragten Frauen leistet während der Schwangerschaft wiederholt Mehrarbeit (56 Prozent) oder überschreitet die Tageshöchstarbeitszeit (55 Prozent). Von jeder achten Befragten wurde die Mehrarbeit unfreiwillig erbracht und von der Arbeitgeberseite „erwartet“ (zwölf Prozent). 

  • Eine Schwangerschaft scheint immer noch eins der wesentlichsten Karrierehemmnisse für Frauen zu sein. Anders lassen sich Aussagen von mehr als einem Viertel der Befragten nicht interpretieren, die von langfristigen beruflichen Nachteilen aufgrund der Schwangerschaft berichten (28 Prozent). Bei fast der Hälfte von ihnen haben sich anstehende Karriereschritte verzögert oder wurden vollständig blockiert. 

Politische Schlussfolgerungen und Forderungen:

  • Arbeitgeber*innen müssen stärker in die Pflicht genommen und kontrolliert werden. Aufsichtsbehörden müssen in der Lage sein, die diskriminierungsfreie Umsetzung des Mutterschutzgesetzes in Betrieben und Dienststellen wirksam zu kontrollieren.

  • Die im Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichte arbeitszeitliche Gestaltung dürfe die gesetzlichen Vorgaben nicht aushebeln. Das gelingt nur mit zuverlässig funktionierender Aufsicht und Kontrolle sowie mit verlässlichen, kollektiven Regelwerken auf betrieblicher Ebene, die die schwangeren/stillenden Frauen vor betrieblichem Druck und erzwungener „Freiwilligkeit“ schützen und eine Balance auf Augenhöhe zwischen Betrieb und den Betroffenen garantieren.

  • Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema bei den Normadressat*innen und den betrieblichen Akteur*innen sind auch vier Jahre nach Inkrafttreten des Mutterschutzgesetzes essenziell. 

Schwangerschaft im Betriebsalltag muss zur Normalität werden! 

Wir fordern: Schwangerschaft und Geburt, müssen zur gelebten Normalität im Betriebsalltag werden, die von den betrieblich Verantwortlichen entlang der Vorgaben des Mutterschutzgesetzes gestaltet und von allen betrieblichen Akteur*innen wohlwollend begleitet und unterstützt wird. Die Unternehmen müssen diese Lebensphase noch viel stärker als bisher als ganz selbstverständlichen Teil der Berufsbiografie ihrer Beschäftigten anerkennen. 

Mehr zum Thema und die gesamte Studie zum Download findet ihr hier:

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